Umbruch zur Elektromobilität, Corona-bedingte Werkschließungen und Chip-Krise: Die Automobilzulieferer haben schwere Monate hinter sich – und auch noch vor sich, denn die Lieferkettenprobleme sind keineswegs überwunden. Zu Jahresbeginn hat das Münchener ifo Institut Alarm geschlagen: Die Lage in der deutschen Autoindustrie habe sich den fünften Monat in Folge verdüstert. „Die Lage der Zulieferer bleibt schlecht“, konstatiert das Institut. Die Geschäftserwartungen der Zulieferer seien so pessimistisch wie seit fast zwei Jahren nicht mehr.
Die miese Stimmung wird sich in einigen Fällen zu einer handfesten Finanzierungskrise auswachsen. „Drei schlechte Jahre, kein guter Verschuldungsgrad – stehen da Banken und Schuldscheinmarkt überhaupt zur Verfügung?“, gibt der Finanzierungsberater Marcel Herter zu bedenken. Banken, Schuldscheine, Debt Fonds, Factoring, High Yield Bonds: Welche Optionen bieten sich Automotive-CFOs überhaupt noch? Und welche Probleme können speziell bei Schuldscheindarlehen auf die Autozulieferer zukommen? Mehr dazu erfahren Sie im neuen FINANCE-Magazin, das heute bereits als E-Paper zur Verfügung steht.
ESG wirkt sich einschneidend auf Kreditvergabe aus
Neben den Herausforderungen für die Automobilzulieferer vollzieht sich eine wahrscheinlich noch deutlich einschneidendere Entwicklung im Kreditgeschäft: Die Banken sieben immer mehr Kunden nach ESG-Kriterien aus. Unternehmen, die kein nachhaltiges Geschäftsmodell haben oder nicht einmal klare Transformationsbemühungen vorweisen können, geraten immer mehr in eine defensive Position. Geldhäuser ziehen sich zum Teil zurück oder drohen es an.
Wie genau? Wir haben die führenden Banken im deutschen Firmenkundengeschäft befragt und zahlreiche Dokumente durchforstet. Unser Eindruck: Auch wenn sich die Banken Hintertürchen für Ausfallregelungen offenhalten, zieht sich die Schlinge für nicht ESG-konforme Unternehmen zu. Und das sei auch notiert: Besonders die Deutsche Bank fällt mit Wischiwaschi-Aussagen zur ESG-Konformität auf.
Neuer Schaeffler-CFO springt in die Bresche
Mitten in der Transformation befindet sich auch Schaeffler. Die Herzogenauracher plagen zwar keine Finanzierungssorgen, aber steigende Kosten (etwa bei Rohmaterialen) besorgen das Management. Die Gewinnmarge für die Automotive-Sparte steht unter Druck, ebenso wie der Aktienkurs, der sich noch immer nicht vom Corona-Schock erholt hat. Keine einfache Ausgangslage für den neuen CFO Claus Bauer, der dem Ruf des Eigners Georg Schaeffler gefolgt und von der US-Einheit des Konzerns in Fort Mill (South Carolina) nach Herzogenaurach umgesiedelt ist. „Jede Krise zwingt alle davon Betroffenen zu erhöhter Disziplin“, formuliert es der CFO. Die vielfältigen Herausforderungen will er unmittelbar angehen.
„Jede Krise zwingt alle davon Betroffenen zu erhöhter Disziplin.“
Claus Bauer, CFO von Schaeffler
Challenges genug gibt es auch im (mit dem Auto) rund 260 Kilometer entfernten Mannheim. Bei Bilfinger, vom Baukonzern zum Industriedienstleister transformiert, trafen wir (tatsächlich vor Ort) Christina Johansson. Auch bei den Mannheimern ist der Aktienkurs weit von den 90 Euro aus dem April 2014 entfernt. Das Investment ist kein Erfolgsgeschäft für den (aktivistischen) Ankeraktionär Cevian, der 2011 zu etwa doppelt so hohen Kursen wie heute eingestiegen war.
Wie will Johansson, die zuletzt sogar als interimistische CEO agierte, das Blatt wenden? „Wir wollen wachsen: Unser Ziel ist ein nachhaltiges Umsatzwachstum von 6 Prozent pro Jahr“, sagt die gebürtige Schwedin. „Das werden wir mit organischem Wachstum allein nicht unbedingt schaffen. Daher setzen wir zusätzlich auf sinnvolle und zielgerichtete Bolt-on-Akquisitionen“. M&A steht also wieder auf der Agenda der Mannheimer.
Schwerpunkt M&A und Private Equity
Um Fusionen und Übernahmen geht aus auch in unserem Schwerpunkt M&A & Private Equity. Und raten Sie mal, was dort unter anderem im Fokus steht? Genau, ESG. Fragen der Umwelt, des Sozialen und der guten Unternehmensführung spielen inzwischen eine immanent wichtige Rollen bei Käufen und Verkäufen. „Wir tätigen keine Akquisitionen, die nicht zu unserer ESG-Strategie passen“, sagt etwa Viessmanns M&A-Chef Timo Tauber. Doch es herrscht noch viel Unsicherheit, welche Geschäfte Unternehmen in ESG-Hinsicht überhaupt weiterbringen. Mehr dazu berichten Praktiker aus Unternehmen und hochkarätige Experten.
Als besonderes Schmankerl haben wir für sie die jährliche Midmarket-Analyse im Private Equity dabei. Geneigte Leser kennen sie. Nach der Corona-Delle schwingt sich der Markt zu neuen Rekorden auf, die Zahlen haben es in sich. Doch im wettbewerbsträchtigen Umfeld haben sich bei PE-Deals rohe Sitten eingebürgert. Welche genau, haben uns Marktinsider erzählt.
markus.dentz[at]finance-magazin.de
Info
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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.