Immer mehr deutsche Unternehmen bauen ihre eigenen M&A-Abteilungen auf. Für die Breite der Teams rekrutieren sie häufig einige neue Mitarbeiter frisch von renommierten Wirtschaftsuniversitäten. Für die Leitungspositionen setzen deutsche Unternehmen aber auf M&A-Spezialisten, die schon lange bei Investmentbanken oder Beratungshäusern gearbeitet haben.
In klassisch strukturierten Konzernen ist die M&A-Abteilung eines Unternehmens unter dem CFO angesiedelt und besteht häufig aus einer Teamstruktur aus Directors und Projektmanagern. Wer direkt von der Uni zu einem solchen Team stößt, kann sich nach Einschätzung der Personalberatung Fricke Finance & Legal über ein Anfangsgehalt von 50.000 bis 60.000 Euro freuen.
Senior M&A-Manager kassieren bis zu 100.000 Euro
Nach einigen Jahren Berufserfahrung und dem Aufstieg zum Projektmanager steigen die Gehälter dann im Schnitt auf 70.000 bis 75.000 Euro an. Neue Aufgaben warten dann nach der nächsten Beförderung zum Senior Projektmanager: „Der Projektleiter führt die Transaktion in Abstimmung mit den anderen beteiligten Abteilungen durch, arbeitet also auch abteilungsübergreifend“, erklärt Fricke-Personalberater Thomas von Ciriacy-Wantrup.
Senior Projektmanager müssen sich auch als Schnittstelle nach außen beweisen. Ein wichtiger Teil ihres Jobs ist es, die Kontakte zu Investmentbankern zu pflegen, die immer wieder Impulse für möglicherweise passende M&A-Deals geben. Wichtigen Input erhält die M&A-Abteilung aber auch zum Beispiel aus dem Corporate Development und dem Strategieressort im eigenen Unternehmen. Manche Firmen sammeln auch Hinweise von ihren Vertriebsmitarbeitern, die oft als erste hören, wenn sich bei Kunden oder Zulieferern Veränderungen anbahnen, die für das eigene Unternehmen relevant sein könnten – vielleicht auch M&A-relevant.
Kommt ein möglicher Deal in die nähere Prüfung, müssen die Senior Projektmanager auch die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern koordinieren, etwa bei der Due Diligence. Dafür kassieren Senior Projektmanager im Corporate-M&A-Bereich bis zu 100.000 Euro im Jahr.
In der Regel begleiten die Projektmanager und ihre Teams kleinere Deals eigenständig. Werden die Deals hingegen größer und komplexer, wird die Projekteinheit von einem Director geleitet. Dieser verdient in der Regel zwischen 150.000 und 170.000 Euro. In der M&A-Abteilung ist dem Director nur noch der Head of M&A vorgesetzt, den es oftmals in großen börsennotierten Unternehmen gibt, aber auch in mittelständischen Unternehmen, die eine klare M&A-Strategie verfolgen.
Die Position des Head of M&A wird mit Spitzengehältern von bis zu 270.000 Euro dotiert. Damit verdienen Corporate-M&A-Chefs auf Basis des Festgehalts in etwa so viel wie Managing Directors in den Top-Fünf-Investmentbanken.
Kaum Bonus bei Corporate M&A
Es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied zwischen den Gehältern von M&A-Spezialisten in Unternehmen und im Investmentbanking, weiß von Ciriacy-Wantrup: „Während Corporate-M&A-Spezialisten Boni von 20 bis 30 Prozent ihres Grundgehalts erwarten können, liegt die Spanne im Investmentbanking mit 100 bis 200 Prozent maßgeblich höher.“
Dies ist einer der wichtigsten Gründe, weshalb nach wie vor nur wenige Investmentbanker den Sprung auf die Unternehmensseite wagen – zumindest solange sie noch fest im Sattel sitzen und die Boni auch tatsächlich fließen. Für Konzerne, die ihr M&A-Team durch zusätzliche Investmentbanker verstärken wollen, ist das ein Problem: „Gute Kandidaten – besonders auf Junior-Level – sind rar“, beobachtet Thomas von Ciriacy-Wantrup. „Dementsprechend haben gute Bewerber, die das wollen, auch echte Chancen, die gewünschte Stelle auf Unternehmensseite tatsächlich zu ergattern.“
Corporate M&A bietet bessere Work-Life-Balance
Und tatsächlich wirbt der Headhunter auch für die Vorteile, die ein Wechsel von der Bank auf die Corporate-M&A-Seite mit sich bringen könnte. Einer davon: M&A-Experten könnten sich dort auf Löhne freuen, die großteils unabhängig vom Dealflow sind.
Auch ein wichtiger Faktor sei die Arbeitszeit: „90 bis 95 Prozent ihrer Zeit arbeiten M&A-Experten in Unternehmen nach einer gewöhnlichen Arbeitswoche“, berichtet von Ciriacy-Wantrup. „Peaks“ mit hoher Arbeitsbelastung blieben auf einzelne Projektphasen beschränkt und seien nicht – wie in Investmentbanken – die Regel. Dort hetzen gerade jüngere Mitarbeiter und solche aus der mittleren Projektmanagerebene oft von einem Deal zum nächsten. So reiht sich schnell eine 70-Stunden-Woche an die nächste. Auf Dauer ist das wenig familienfreundlich.
Gerade hier versuchen die personalsuchenden Unternehmen zu punkten – mit wachsendem Erfolg, wie der Fricke-Berater berichtet. Auch immer mehr Bankern gehe es nicht mehr nur um die reine Vergütung – Faktoren wie die Arbeitsumgebung, die Atmosphäre am Arbeitsplatz sowie die Lebensqualität würden an Relevanz gewinnen.
Diesen Umstand müssen sich Unternehmen allerdings auch gewieft zunutze machen, rät der Headhunter. Wer Investmentbanker auf die Unternehmensseite ziehen will, muss präzise aufzeigen können, welche weiteren Leistungen jenseits des Gehalts ganz konkret auf die potentiellen neuen Mitarbeiter warten würden.
Info
Sie interessieren sich für die Gehälter im Investmentbanking und bei M&A-Beratungen? Dann werfen Sie auch einen Blick in unseren zweiten Teil der Serie, der übermorgen erscheint.
Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.