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Wie Plattformen den Schuldscheinmarkt prägen

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Wie geht es weiter mit den digitalen Schuldscheiplattformen? Das glauben die Marktteilnehmer.
Littlehenrabi/iStock/Getty Images

Digitale Schuldscheinplattformen sind da, und sie werden sich durchsetzen. Aber wie werden sie den Markt verändern? Diese Frage hat der FINANCE Think Tank Corporate Banking & Finance gemeinsam mit finpair, Linklaters, Moody´s und einer Reihe exzellenter Vordenker analysiert und am heutigen Montag ein Whitepaper dazu veröffentlicht.

Auf den ersten Blick sieht alles harmlos aus: Die Plattformen bringen Elemente in den Schuldscheinmarkt, von denen kein einzelnes disruptiv wirkt. Im Gegenteil: Alle wesentlichen Wirkungen der Plattformen verstärken Trends, die bereits seit Jahren im „analogen“ Schuldscheinmarkt zu beobachten sind. Aber: Zusammengenommen haben die treibenden Elemente der Plattformen das Potenzial, tatsächlich eine Disruption im Schuldscheinmarkt herbeizuführen – auch wenn das heute keiner der Marktteilnehmer will.

Schuldscheinplattformen verstärken alle Trends

Es gibt derzeit einige wesentliche Trends am Schuldscheinmarkt, die seine Entwicklung stark prägen: Die Margen für die arrangierenden Banken erodieren. Die Abwicklung wird effizienter. Die Investorenlandschaft diversifiziert sich. Der Schuldscheinmarkt wird internationaler. Die Emissionen werden kleinteiliger. Und – last but not least – die durchschnittliche Bonität der Emittenten verschlechtert sich.

Alle diese Trends werden von den Schuldscheinplattformen verstärkt, und mit ihrem Durchbruch stehen alle Zeichen auf ein weiteres Wachstum des Marktes: Mehr Investoren können effizient in eine größere Vielfalt von Schuldscheinen investieren, während auf der anderen Seite mehr Emittenten zu geringeren Abwicklungskosten eine immer breitere Investorenlandschaft erreichen können. Das ist für beide Seiten sehr attraktiv. Es liegt also nicht nur an dem großen Liquiditätsüberhang und der schwierigen Ertragslage der Banken im Firmenkundengeschäft, dass der Schuldscheinmarkt so stark gewachsen ist – und es wohl auch noch weiter tun wird . 

Was der Schuldscheinmarkt jetzt braucht

Allerdings könnte dies den Markt zum Kippen bringen. Der Schuldschein ist traditionell ein Finanzierungsinstrument für gute und sehr gute Bonitäten, Ausfälle sind nicht vorgesehen. Das zeigt sich auch in der Vertragsdokumentation, die eine Restrukturierung erschwert. Doch schon heute sind Emissionen aus dem Crossover-Segment keine Seltenheit mehr. Starkes Marktwachstum wird sogar ganz überwiegend von schwächeren Bonitäten kommen müssen, und die Investoren für diese Risiken stehen bereit.

Eine deutlich höhere Zahl von Ausfällen würde den Markt aber vor eine existenzielle Bewährungsprobe stellen. Zwar ist der Markt im Unterschied zu den Mittelstandsanleihen von professionellen Investoren geprägt. Das abrupte Verschwinden verbriefter Mezzanine-Finanzierungen nach der Finanzkrise zeigt aber, dass auch Profis einem ganzen Markt den Rücken zukehren können. Um sich für Wachstum zu wappnen, braucht der Schuldschein daher eine restrukturierungsfähige Dokumentation und Standardisierung.

Auch Profis können einem ganzen Markt den Rücken zukehren, siehe Mezzanine-Programme.

Tatsächlich können die Plattformen helfen, die Risiken des von ihnen beschleunigten Wachstums in den Griff zu bekommen. Sie begünstigen Standardisierung und ermöglichen neue Modelle der Risikobewertung. Grundsätzlich bieten sie den Investoren darüber hinaus theoretisch auch die Möglichkeit, sich über einen Sekundärmarkt von Kreditrisiken zu trennen – im Schuldscheinmarkt, wo fast alle Investoren mit einer „Buy-and-hold“-Strategie antreten, wird das allerdings nicht funktionieren.

bastian.frien[at]finance-thinktank.de

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Autor und Download
Der Autor ist Gründer und Geschäftsführer des FINANCE Think Tank Corporate Banking & Finance. Die hier aufgeführten und noch viele weitere ausführlich erläuterte Thesen finden Sie im White Paper „Digitale Schuldscheinplattformen – Treiber für den Schuldscheinmarkt“ zum Download hier

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Infos und Experten
Basis des White Papers ist – neben langjähriger Marktbeobachtung – eine mehrstündige Brainstorming-Session mit einer sorgfältig ausgewählten Gruppe von Vordenkern, um das Thema aus allen relevanten Perspektiven zu beleuchten. Die Vordenker* sind:

Andreas Becker, Head of Clients & Products, ING Wholesale Banking
Andreas Beitzen, Head of Business Development SME & MidCaps, Euler Hermes Rating
Uwe Falk, Head of Treasury, BayWa
Bastian Frien, Geschäftsführer, FINANCE Think Tank Corporate Banking & Finance
Stefan Fromme, Geschäftsführer, vc trade
Olaf Hugenberg, Head of Corporate Finance, NordLB
Michael Jonker, Geschäftsführer, finpair
Dr. Daniel Hildebrand, Partner, Roland Berger
Dr. David Klein, Partner, Taylor Wessing
Dr. Helge Kortz, Partner, Gleiss Lutz
Paul Kuhn, Head of DCM Origination Corporates, BayernLB
Miriam Kumerle, Deputy Head of Corporate Treasury, BayWa
Heiko Möhringer, Schuldschein Specialist Debt Markets EMEA, BNP
Tobias Müssig, Prokurist, finpair
Sascha Röber, Head of Financial Management, Schön Klinik
Jens Schmidt-Bürgel, Geschäftsführer, Moody’s Deutschland
Thomas Schneider, Head of European Corporate Loans, Allianz Global Investors
Dietmar Schubert, Deputy Head of European Corporate Loans, Allianz Global Investors
Dr. Christian Storck, Partner, Linklaters

*Positionen zum Zeitpunkt der Diskussion