Nachhaltigkeit, Energiewende, Zukunftstechnologien – Schlagworte wie diese verleihen der Windenergie seit Jahren Aufschwung. Auch die internationalen Energiekonzerne CEZ, SSE und Enel wollten in Windparks investieren. Sie steckten Geld in Projekte des jungen norddeutschen Unternehmers Hendrik Holt. Der nicht ganz unwesentliche Haken bei den Investments: Die Projekte gab es nur auf dem Papier.
Ermittler beziffern den entstandenen Schaden auf mehr als 10 Millionen Euro. Holt wurde im Frühjahr 2020 im Berliner Adlon-Hotel festgenommen, Mitte Mai dieses Jahres verurteilte das Landgericht Osnabrück den 32-Jährigen wegen Betrugs zu siebeneinhalb Jahren Haft. Sowohl Anklage als auch Verteidigung haben inzwischen gegen das Urteil Revision eingelegt.
„Bevor Mittel an die Gläubiger verteilt werden können, muss man sie erst einmal finden.“
Malte Köster, Insolvenzverwalter
Die strafrechtliche Aufarbeitung durch die Staatsanwaltschaft ist ein Aspekt bei Kriminalinsolvenzen, doch die Gläubiger treibt oft eine ganz andere Frage um: Wo ist ihr investiertes Geld hingeflossen – und lässt sich zumindest ein Teil davon vielleicht noch retten? Jurist Malte Köster arbeitet seit September 2020 daran, die komplexen Vermögensflüsse im Fall Hendrik Holt aufzuarbeiten. Seit Sommer 2021 ist er als Insolvenzverwalter eingesetzt. Er kennt das Grundproblem vieler Kriminalinsolvenzen: „Bevor Mittel an die Gläubiger verteilt werden können, muss man sie erst einmal finden.“
Spurensuche in Unterlagen und Geldströmen
Doch wie lassen sich Werte aufspüren, die ein Unternehmen auf undurchsichtigen Wegen verlassen haben? „Der erste Blick geht meist auf die Geldströme“, sagt Arno Hess, Certified Fraud Examiner und Inhaber der Beratung ComFor Kriminalinsolvenzen. Was kam an Mitteln rein? Was ging raus? Wo ging es hin? Sein Tipp: „Kontoauszüge, von denen man sich Duplikate direkt bei der Bank besorgen kann, sind oft eindeutiger als manipulationsanfällige Daten aus der Finanzbuchhaltung.“
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