Ist das der Befreiungsschlag für Varta? Nach einer Kapitalerhöhung über brutto rund 50 Millionen Euro Mitte vergangener Woche hat sich der kriselnde Batteriekonzern im zweiten Schritt nun mit seinen Banken und dem Mehrheitseigner Montana Tech Components auf ein Restrukturierungskonzept einigen können.
Die Einigung, die noch unter dem Gremienvorbehalt der Banken, zu denen unter anderem BayernLB, HSBC und Unicredit gehören, steht, sieht eine Verlängerung der Finanzierung bis 31. Dezember 2026 sowie Änderungen der Kreditbedingungen vor. Das gab der Ellwangener SDax-Konzern am späten Freitagnachmittag bekannt.
KPMG bescheinigt Varta Sanierungsfähigkeit
Das Restrukturierungsprogramm war in den vergangenen Wochen vom Big-Four-Haus KPMG im Rahmen eines IDW-S6-Gutachtens erarbeitet worden. Mit diesem Gutachten verfolgte Varta zuvorderst das Ziel, die eigene Sanierungsfähigkeit und -würdigkeit nachzuweisen. Nach dem positiven Bescheid durch KPMG gepaart mit den Erlösen aus der Kapitalerhöhung hat Varta nun also vonseiten seiner wichtigsten Stakeholder grünes Licht bekommen und kann somit die Umsetzung des Restrukturierungskonzepts angehen.
Dieses beinhaltet nach Unternehmensangaben unter anderem die Anpassung von Produktions- und Strukturkosten sowie Investitionen in die Energiewende und E-Mobilität. Der Konzern will insbesondere seine Energiespeichersysteme angesichts hoher Nachfrage im Markt signifikant ausbauen.
Mix aus Investitionen und Sparmaßnahmen
Darüber hinaus sieht das Konzept „umfassende Sparmaßnahmen und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung vor, die auf den bereits laufenden Kostenoptimierungen aufsetzen“, teilte Varta weiter mit. Neben der Reduktion externer Kosten, etwa durch Neuverhandlungen bestehender Lieferkonditionen, sind dabei auch Kosteneinsparungen im Personalbereich vorgesehen.
Zur Höhe dieser Einsparungen im Personalbereich machte das Unternehmen auf Anfrage von FINANCE keine Angaben. Ein Sprecher teilte lediglich mit, dass dies Gegenstand der anstehenden Gespräche mit dem Betriebsrat sein werde. Auch mit Blick auf die Hintergründe der geänderten Kreditbedingungen hüllt sich Varta in Schweigen.
„Wir sind sehr zufrieden mit der schnellen Einigung mit den Banken über das vorgestellte Restrukturierungskonzept. Das ist ein ganz entscheidender Schritt in Richtung Zukunft der Varta AG“, kommentierte Varta-CEO Markus Hackstein.
Ob die Ellwangener damit tatsächlich zurück in die Erfolgsspur finden, bleibt derweil abzuwarten. Der einstige Börsenliebling hatte sich in den vergangenen Monaten aufgrund zahlreicher Probleme zu einem echten Sorgenkind entwickelt. Neben den Folgen des Ukraine-Kriegs war Varta zu optimistisch bei der Prognose zur Nachfrageentwicklung in wichtigen Kernmärkten. Das kostete viel Vertrauen. Der Aktienkurs büßte allein seit Mitte November 2022 fast ein weiteres Drittel ein.
Viel Arbeit für neuen CFO Thomas Obendrauf
Daneben wurde das Geld immer knapper: So verfügte Varta Ende September 2022 noch über Zahlungsmittel von 32 Millionen Euro, denen Schulden in Höhe von rund 900 Millionen Euro gegenüberstanden. Und last, but not least ist es Varta seit dem Börsengang 2017 nicht gelungen, auf dem CFO-Posten für Kontinuität zu sorgen: Armin Hessenberger kündigte im Januar dieses Jahres überraschend seinen Abschied für Ende April an. Sein Vorgänger Steffen Munz hatte Varta nach dreijähriger Amtszeit für Schaltbau verlassen. Ebenfalls nicht länger im Amt war zuvor Michael Pistauer gewesen.
Am 1. Mai wird nun Thomas Obendrauf als neuer Finanzchef bei Varta beginnen. Auf ihn wartet sehr viel Arbeit. Immerhin: Die am Freitag erzielte Einigung ließ die zuletzt arg gebeutelte Varta-Aktie am heutigen Vormittag (Stand: 11.30 Uhr) um gut sechs Prozent auf über 23 Euro ansteigen.
Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.