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Restrukturierungsfälle auf Rekordniveau

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Rekord bei Restrukturierungsfällen: Besonders Bau und Handwerk rückt jetzt in die Krisenbranchen auf, nur getoppt von Fahrzeugbau. Foto stock.adobe.com - HappyBall3692
Rekord bei Restrukturierungsfällen: Besonders Bau und Handwerk rückt jetzt in die Krisenbranchen auf, nur getoppt von Fahrzeugbau. Foto stock.adobe.com - HappyBall3692

Unternehmenskrisen nehmen zu. Das ist nicht nur gefühlt der Fall angesichts prominenter Firmenpleiten oder Krisen, die die Nachrichten bestimmen. Im vergangenen Halbjahr ist der Anteil der Befragten, die mehr Restrukturierungsfälle zur Bearbeitung bekommen haben, weiter deutlich gestiegen. Aktuell haben das 67 Prozent der Umfrageteilnehmer bestätigt (Frühjahr 2023: 55 Prozent), so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Frühjahr 2013. Korrespondierend dazu ist der Anteil derer, die weniger Restrukturierungsfälle zur Bearbeitung bekommen haben, auf 5 Prozent gefallen.

Zu diesem Ergebnis kommt das 23. Restrukturierungsbarometers, für das FINANCE in Zusammenarbeit mit dem Beratungshaus Struktur Management Partner (SMP) regelmäßig Restrukturierungsexperten bei Banken und Warenkreditversicherern befragt (zu den vollständigen Ergebnisse geht es hier).

Die kommenden Monate versprechen eine Fortsetzung dieses Trends: 89 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen mit zunehmenden oder deutlich zunehmenden Zahlen (Frühjahr 2023: 83 Prozent).

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht nur die Restrukturierungsfälle seit geraumer Zeit immer komplexer werden, was mittlerweile knapp drei Viertel der Befragten (74 Prozent) bestätigen – ebenfalls ein neuer Höchststand. Auch die Finanzierung von Restrukturierungsfällen wird immer schwieriger. 68 Prozent der befragten Banker sind dieser Meinung (Frühjahr 2023: 64 Prozent). Von einfachen oder sehr einfachen Finanzierungsbedingungen spricht keiner der Umfrageteilnehmer.

„Auch die Warenkreditversicherer sind sehr sensibel geworden, was ihre rechtzeitige Einbindung in die Kommunikation angeht.“

Georgiy Michailov, Struktur Management Partner

Krisenfälle komplexer

Das wirkt sich auch auf die Zusammenarbeit innerhalb der Restrukturierungspools aus. Für immerhin 44 Prozent der Befragten gestaltet sich das Miteinander der verschiedenen Finanziers bei Restrukturierungsfällen schwieriger als noch im Frühjahr 2023.

„Auch die Warenkreditversicherer sind sehr sensibel geworden, was ihre rechtzeitige Einbindung in die Kommunikation angeht“, betont Georgiy Michailov von Struktur Management Partner mit Blick auf die aktuelle Zusammenarbeit zwischen den Finanzierern. Eine proaktive und symmetrische Kommunikation ist wichtiger denn je.

In das angespannte Restrukturierungsumfeld passt, dass die Erfolgsaussichten von Restrukturierungsfällen mau bleiben. Das Lager derer, die einen Anstieg der Insolvenzzahlen bei den von ihnen betreuten Krisenfällen verzeichnen, ist zwar auf aktuell 32 Prozent gesunken (Frühjahr 2023: 37 Prozent). Im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage wurden aber noch einmal weniger Restrukturierungsfälle aus der „Intensivstation“ in den Marktbereich entlassen. Nur noch 7 Prozent der Befragten geben das an (Frühjahr 2023: 8 Prozent) – ein Allzeittief.

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Bau rückt in den Krisenfokus

Was die verschiedenen Assetklassen angeht, rechnen die meisten Befragten im kommenden halben Jahr bei Unternehmenskrediten mit Ausfällen. 53 Prozent der Umfrageteilnehmer geben das an. Ein nochmals kräftiger Anstieg der Ausfälle wird bei Immobilienkrediten prognostiziert. 40 Prozent der Befragten sind dieser Meinung (Frühjahr 2023: 20 Prozent). Damit erreicht die bisher eher unauffällige Assetklasse einen Höchststand und spiegelt die Krise am Bau sowie die scharfe Zinswende der vergangenen Monate wider.

Die Zinswende wird von den Befragten auch als größte exogene Gefahr für die von ihnen betreuten Unternehmen angesehen (72 Prozent). Auf den Plätzen zwei und drei folgen politische Konflikte (68 Prozent) und die Wachstumsschwäche in der Euro-Zone (60 Prozent), wofür insbesondere Deutschland verantwortlich zeichnet.

Keine Veränderung gab es an der Spitze der Hitliste der Branchen, die zurzeit besonders im Fokus der Restrukturierungsabteilungen sind: Der Sektor Fahrzeug und -zubehör, der mit einer doppelten Transformation zurechtkommen muss, steht weiterhin auf dem Spitzenplatz. Auf Platz zwei hat sich die bisher eher als Hort der Stabilität aufgefallene Branche Bau und Handwerk geschoben und damit die Sektoren Maschinen- und Anlagenbau sowie Handel und E-Commerce auf den gemeinsamen dritten Platz verdrängt. Wie die befragten Experten Künstliche Intelligenz und ESG-Aspekte bei Restrukturierungen einschätzen, erfahren Sie im Restrukturierungsbarometer.

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